Die Radio 8-Hörerreise 2018

Text, Fotos und Videos: Klaus Seeger

Tag 12 - 31.10.2018

Klaus Seeger meldet sich aus Rangun

Abschied von Myanmar! Der letzte Tag unserer Reise ist da. Während die einen im Hotel in Rangun entspannen, genießen andere die letzten Stunden in Myanmar in den quirligen Straßen der Millionenstadt. Ich fahre zuerst zur Sule-Pagode. Blumen für Buddha – mein Dank für eine erlebnisreiche und unfallfreie Reise. Bei meinem Spaziergang durch Little India und Chinatown sauge ich noch einmal all die verschiedenen und exotischen Eindrücke auf, genieße mein geliebtes Südostasien. Es geht vorbei an kleinen Garküchen mit leckersten Verlockungen, ich blicke in Läden, die kaum größer sind als eine Abstellkammer, schaue Handwerkern bei ihrer Arbeit zu, staune über Berge von Textil auf dem alten Markt und kann mich auf dem Obst- und Gemüsemarkt kaum sattsehen. In einer kleinen Gasse stoße ich auf einen Hindutempel. Neugierig schau ich rein und werde auch gleich von einem älteren Herrn eingeladen, einzutreten. Wir kommen auf Englisch ins Gespräch. Ich erzähle ihm von unserer Reise und vom anstehenden Abschied. Er dankt mir für den Besuch in Myanmar. Der Priester des Tempels mit den vielen Hindufiguren spendet mir den Segen. Immer wieder werde ich gefragt, was mich an Südostasien so begeistert, weshalb meine Reisen gerade hierher führen. Es ist die Offenheit der Menschen! In keiner anderen Ecke der Welt habe ich das so erlebt. Die Reise nach Myanmar hat mir das erneut bestätigt. Oft wurde ich bereitwillig in Häuser gebeten, hat man mir mit Freude Einblick in den Alltag ermöglicht, wir haben zusammen gegessen und getrunken, viel gelacht oder waren nur schweigend beisammen gesessen und haben uns dennoch dabei bestens unterhalten gefühlt. Nie gab man mir das Gefühl, unerwünscht zu sein – das Gegenteil war der Fall. Oft haben die Menschen dafür gedankt, dass wir uns mit dieser Reise für ihr Land interessieren und damit auseinandersetzen. Für mich persönlich war es spannend, die Veränderungen seit meiner letzten Reise beobachten zu können. Vieles hat sich tatsächlich zum Besseren gewandelt, einige Entwicklungen stimmen mich traurig. Die Menschen in Myanmar sind mir noch mehr ans Herz gewachsen. Danke für die Zeit und sicher bis bald!

Tag 11 - 30.10.2018

Klaus Seeger meldet sich vom Ngapali Strand

Was für eine Ruhe! Nein, nicht am, Strand von Ngapali. Wir sind inzwischen in der Millionenmetropole Rangun angekommen. Der Verkehr hat in den vergangenen Jahren enorm zugenommen. Doch noch können sich die wenigsten Bewohner der Megacity ein Auto leisten. Der Verkehr rollt, es geht aber recht ruhig und entspannt zu. Kaum ein Hupen ist zu hören. In Rangun ist es verboten, auf die Hupe zu drücken. Sonst ist das Nationalsport der Burmesen. Das Hupverbot wurde aus Gründen des Lärmschutzes erlassen, heißt es. Eine durchaus wohltuende Entscheidung. Für eine 6-Millionenstadt in Südostasien wird hier wenig gehupt. Mofas, Mopeds und Motorräder wurden aus der Innenstadt verbannt, was die Verkehrslage ungemein entspannt. Die Geschäftshäuser von Rangun werden höher und protziger. Die wirtschaftliche Öffnung des Landes ist unübersehbar. Die Menschen in Rangun spüren das vor allem an den rasant steigenden Mietpreisen. In den vergangen 10 Jahren haben sich die Mieten für Wohnungen im Zentrum locker verdoppelt. Die Gehälter lässt das kalt, sie gehen den Anstieg nicht entsprechend mit. Viele Innenstadtbewohner sind in kleinere Wohnungen gezogen oder leben nun in den schnell  wachsenden Außenbezirken. Rangun ist mit anderen asiatischen Metropolen wie Bangkok, Singapur oder Kuala Lumpur nicht zu vergleichen. In Rangun herrscht noch immer - trotz der 6-Millionen-Einwohner - eine gewisse Beschaulichkeit. Darin liegt der Reiz dieser Stadt. Die Engländer haben prächtige Kolonialbauten hinterlassen. Nach der Unabhängigkeit in den späten 1940er Jahren wurden diese Gebäude eher als Makel im Stadtbild gesehen, als unliebsame Erinnerung an die Zeit unter britischer Verwaltung. Weil man sie aber nutzen konnte, wurden viele von ihnen nicht abgerissen – aber auch nicht gepflegt. Die Zeit und vor allem die extreme Witterung der Tropen hinterließen ihre Spuren.  Nun ist das Interesse an den Bauten aber erwacht. Die bröckelnden Gebäude sollen mit internationaler Hilfe gerettet werden. Über allem thront die weltbekannte Shwedagon, die größte Pagode der Welt. Um sie muss sich niemand sorgen, sie ist höchstes Heiligtum des Landes. Spenden der Gläubigen sichern ihren Erhalt. Reiche Familien geben ein kleines Vermögen, um ihren Teil zum Erhalt beizutragen. Der Weg für ein gutes nächstes Leben soll so geebnet werden. In ihrer Spitze hängen Tonnen an Edelsteinen. Auch das Spenden gläubiger Buddhisten. Der Wert kann nur grob geschätzt werden, zig Milliarden sollen es inzwischen sein. Die  90-Meter hohe Stupa glänzt golden. Echtes Blattgold ist hier aufgetragen und wird alle vier Jahre erneuert, Zentimeter für Zentimeter. Denn die Shwedagon darf nie an Glanz verlieren.

Tag 10 - 29.10.2018

Die Hörerreisenden senden Grüße

Ausflug mit dem Roller! Übrigens ein elektronisch betriebenes Modell. Muss mich allerdings daran gewöhnen, dass die Maschine keinen Laut von sich gibt. Nicht selten sind andere Mopedfahrer leicht irritiert, wenn ich ohne Geknatter überhole. Hin und wieder hupe ich dabei, damit sich was rührt. Ist  Landessitte. Will mich den Gepflogenheiten ja anpassen. Erstes Ziel ist Thandwe, ein kleines verschlafenes Provinznest. Hier ließe sich ohne Aufwand ein alter Südostasien-Film drehen. Rikschas rollen durch die Straßen, die Fahrer tragen große Strohhüte, am Markt herrscht geschäftiges Treiben, alte Holzhäuser prägen das Stadtbild. Das Bild wird lediglich durch ein modernes und viel zu groß wirkendes Gebäude gestört: es gehört einer Bank! Der Abstecher nach Thandwe hat sich gelohnt. Mein eigentliches Ziel heute sind aber die Fischer im Süden des Ngapali-Strandes. Einer der Männer lädt mich ein, sein Dorf kennenzulernen. Für einen Burmesen ist er außergewöhnlich groß, voll tätowiert und äußerst muskulös. Sein Englisch ist gut, eine Ausnahme hier. Er erzählt mir, dass er sonst im Tourismus am Strand gegenüber als Bootsführer arbeite. Doch in diesem Jahr sei alles anders. Die Ereignisse um muslimische Flüchtlinge aus Myanmar hätten die Tourismuszahlen einbrechen lassen. Für ihn bedeute dies, keinen Job zu haben. So arbeitet er eben wieder als Fischer. Besser als gar nichts, sagt er. Die gesamte Umgebung leide unter der Flaute. Umso mehr freut es ihn, als ich von unserer Reisgruppe erzähle: „Jeder von Euch bringt uns Arbeit!“ Das Dorf ist eine Ansammlung aus Hüttchen, oftmals nicht viel mehr als zusammengebundene Bambusmatten. Am Brunnen waschen sich einige Männer, Kinder spielen mit Murmeln, Feuer für das Abendessen werden entfacht. Und überall Müll. Am Strand, auf den Wegen, zwischen den Hütten. Als hätten diese Menschen keine Kraft mehr, ihrem kargen Leben zumindest einen besseren Anstrich zu verpassen. Wo ich auch im Dorf hingehe, werde ich auch hier – wie schon gestern im anderen Viertel – freundlich empfangen. Von meinem Begleiter hatte ich mich längst verabschiedet. Er musste sein Boot für das Auslaufen bei Sonnenuntergang fertigmachen. Am kleinen Dorfkiosk – eine windige Bretterbude – lasse ich für einige Männer eine Runde Myanmarbier springen. Wir sitzen da, trinken, schauen in Richtung mehr und schweigen. Der Abschied jedoch ist herzlich. Während ich diese Zeilen schreibe, leuchten vom Meer die Lichter der Fischerboote herüber. Die Jungs schuften da draußen für einen Hungerlohn und hoffen dabei auf wieder mehr Tourismus. Ich wünsche es Ihnen von Herzen!  

Tag 9 - 28.10.2018

Das Paradies endet bereits an der nächsten Ecke. Der Strand von Ngapali hat zwei Gesichter. Auf der einen Seite zwischen den Palmen versteckte Resorts. Doch schon wenige Meter dahinter lauert bittere Armut. Niemand muss hinschauen. In den Resorts wird genug Ablenkung geboten, damit die Umgebung nicht aufdringlich wird. Ein Moped rollt mich in die andere Welt. Die ältere Dame vom Verleih verblüfft mich. Offenbar hat sie mit Ausländern bisher keine schlechten Erfahrungen gemacht. Ich darf den Roller einfach mitnehmen. Sie verlangt weder eine Passkopie, keinen internationalen Führerschein, keine Kaution. Sie sagt nur: „Ich vertraue Dir!“. Abseits der neu gebauten Hauptstraße führen  Schotterpisten durch die Palmenhaine. Nur wenige aus Stein erbaute Häuser gibt es hier. Zwischendrin stehen einige recht komfortable Holzhäuser. Doch die meisten Menschen leben in aus Holz, Strohmatten und Wellblech zusammengezimmerten Behausungen. Strom und Frischwasser: Fehlanzeige! Ich steige ab. Mein Roller kommt auf dem schlechten Weg  nicht mehr weiter. Kinder rufen mir „Mingalaba“ zu, so begrüßt man sich in Myanmar. Erwachsene lächeln, staunen über den ungewöhnlichen Besuch in ihrem Viertel. Oft scheint sich hierher kein Ausländer zu verirren. Kein misstrauischer Blick, keine Spur von Abneigung. Im Gegenteil! Ich schaue  in aufgeschlossene Gesichter. Die Neugierde ist auf beiden Seiten enorm groß. Wo ich auch auftauche, ich werde freundlich empfangen. Viele dieser Menschen arbeiten als kleine Handwerker oder Fischer. Harte Arbeit bestimmt ihren Alltag. Vor allem die Frauen beeindrucken mich. Auf einer Baustelle sehe ich sie, in sengender Hitze, Eimer mit heißem Teer schleppen. Am Fischerhafen füllen sie getrockneten Fisch in große Körbe und tragen diese an Stangen zur Fischfabrik. Eine elende Schufterei! Der Tourismus hat neue Arbeitsmöglichkeiten an den Strand gebracht. Die Hotels beschäftigen viel Personal. Neue Geschäfte haben sich angesiedelt, Restaurants wurden eröffnet. Ein Lichtblick für Ngapali. Dennoch ist hier für viele Menschen ein besseres Leben noch weit entfernt. Am Abend bringe ich den Roller zurück. Meine Reservierung für den nächsten Tag freut die Dame sehr. Den ersten Tag möchte ich sofort bezahlen. Darf ich aber nicht! Sie sagt: „Zahl morgen Abend beide Tage. Ich vertraue Dir!“. olHolzhäuser.  

Video-Tagebuch 28.10.

Tag 8 - 27.10.2018

Abschied von Khai! Knapp eine Woche durften wir mit Khai hier in Myanmar verbringen. Sympathischer könnte eine Reiseleiterin nicht sein – auch nicht kompetenter. Die Frau hat die Ruhe weg. Keine Hektik, kein Stress. Mit 31 Personen ist unsere Gruppe ja nicht gerade klein. Khai hatte jedoch alles im Griff. Immer gut gelaunt schenkte sie uns interessante Einblicke in ihr faszinierendes Land. Seit rund 15 Jahren ist sie als Reiseleiterin tätig. Ihr Deutsch ist hervorragend. An der Uni hatte sie Englisch studiert, danach arbeitete sie auf der Bank. Myanmar war Jahrzehnte isoliert. Tourismus gab es kaum. Doch Anfang der 2000er änderte sich das. Für Khai eine große Chance. Sie lernte Deutsch – in Myanmar. Deutschland konnte sie bisher nur einmal besuchen. Nur um zu sehen, was wir dort so alles machen und essen, sagt sie. Allzu sehr können wir sie dabei nicht geschockt haben, schließlich arbeitet sie noch immer mit Begeisterung als Reiseleiterin für deutsche Gäste. Diese Freude war ihr jeden Tag anzumerken. Mit viel Humor brachte sie uns so manch eine Kuriosität ihres Landes näher und machte Lust auf mehr. Wir erlebten eine perfekte Gastgeberin. Danke Khai!

Video-Tagebuch 27.10.2018
 

Tag 7 - 26.10.2018

Buddha fährt gerne Boot! Zumindest am Inle See in Myanmar. Rund um den See werden Buddha-Figuren aus der Phaung Daw U-Pagode gefahren. Buddha besucht jedes Dorf – es sind insgesamt über 40, die angesteuert werden. Das dauert! Drei Wochen ziehen die Prozessionsboote über den Inle. Wenn Buddha in ein Dorf gefahren wird, warten Tausende in Booten auf die Ankunft der goldgeschmückten Barke. Dabei muss es nicht allein andächtig zugehen. Lauten Musik begleitet den Zug, hämmernde Bässe zerreißen die Morgenstille. Ein Hauch von Loveparade liegt mitunter in der Luft. An uns ziehen lange Boote vorbei, auf ihnen stehen bis zu 50 Männer. Sie rudern diese Boote mit den Füßen. Hier am Inle wird tatsächlich mit den Füßen gerudert. Das Paddel greifen die Männer mit einer Hand, weiter unten umklammern sie es mit Schienbein und Fuß, so wird das Paddel im Wasser bewegt. Die andere Hand ist frei. Für die Fischer auf dem See ist diese Technik ein großer Vorteil. Schließlich können sie dann mit der anderen Hand Reußen setzen oder aus dem Wasser ziehen. Die Buddha-Prozession ist für die Männer eine große Ehre. Sie sind es, die Buddha in die Dörfer am See ziehen. Die 15 Boote sind mit dicken Seilen verbunden. Am Ende der Prozession steht das Boot mit den Opfergaben, gefolgt vom prächtigsten Boot, das für Buddha! Während die Boote der Ruderer schlicht daherkommen, wird bei Buddha geklotzt. Die Statuen stehen unter einem goldenen Baldachin, begleitet wird Buddha von Mönchen. Bisher war immer von Männern die Rede. Frauen dürfen an der Prozession auch teilnehmen. Sie haben die schönste Aufgabe. Während die Männer beim Rudern schwitzen, singen und tanzen die Frauen auf ihren eigenen Boot. Gerudert wird allerdings selbst. Mit einem großen Unterschied: bei den Damen sieht wesentlich eleganter aus!

Klaus Seeger meldet sich aus Bagan
Video-Tagebuch 26.10.2018
 

Tag 6 - 25.10.2018

Klaus Seeger meldet sich aus Bagan

Im Flugzeug genieße ich es, wenn mich die Stewardess mit grazilen Bewegungen über die Sicherheit an Bord informiert. Ich will nicht von einer am Computer schlecht gestalteten Animation über lebensrettenden Maßnahmen aufgeklärt werden. Ich will den Menschen sehen, der im Notfall richtig reagieren sollte. Danke an die burmesische KBZ Airline für diesen Service. Keine Bildschirme an Bord, deshalb darf die Stewardess den Infoblock gestalten. Sie verleiht dem Öffnen und Schließen des Gurts sogar eine gewisse Würde. Auch das Anzeigen der Notausgänge und Leuchtlinien ist an Eleganz nicht zu überbieten. Zu gern hätte ich noch gesehen, wie diese strahlende burmesische Schönheit sich die Sauerstoffmaske aufsetzt. Wahrscheinlich hätte sie auch damit toll ausgesehen. Doch leider fällt dieser Programmpunkt aus, warum auch immer. Druckverlust kommt in diesem Flugzeug offenbar nie vor. Das Fliegen von burmesischen Regionalflughäfen verwöhnt doch sehr. Gerade mal eine Stunde vor Abflug sind wir für den Flug von Bagan an den Inle-See da, der Sicherheitscheck läuft flott und routiniert, das Abtasten am Körper erfolgt schnell – jedoch gründlich. Zupacken kann der Burmese!!! In den Flieger komme ich als eine gewisse Ivana! Kein Witz! Auf meinem Boarding Pass steht dieser Name. Mein Schauspieltalent scheint bisher unentdeckt gewesen zu sein. Ich überzeuge die ungläubig dreinblickende Dame am Gate, dass genau ich diese Ivana bin. Das Leben ist eben voller Überraschungen. 

Video-Tagebuch 25.10.2018

Tag 5 - 24.10.2018

Klaus Seeger meldet sich aus Letkapim

Was für ein Glück, in der Pagodenstadt Bagan sein zu dürfen und das am Lichterfest! Die Pagoden sind voll, Menschenmassen schieben sich durch die Gänge hin zu den großen Buddhas. Vielen tragen Blumen in der Hand, eine Opfergabe für den Erleuchteten. Buddha war einst für kurze Zeit im Himmel. Daran wird mit dem Lichterfest gedacht. Kerzen erleuchten Buddhas Weg zurück auf Erden. Buddhisten in Myanmar kennen viele Feiertage im Jahr. Doch dieser ist besonders. Es wird Urlaub genommen, die Schüler haben Ferien und die Familien pilgern zu den Tempeln. Die Atmosphäre dort liegt irgendwo zwischen Volksfest und Andacht. Wir Langnasen – wie Westler in Asien mit Augenzwinkern genannt werden – sind bei all diesen Zeremonien herzlich willkommen. Niederknien, für ein paar Minuten innehalten. Diese Momente in den Pagoden genieße ich. Aufsaugen! Eine ältere Frau beobachtet mich mit einem Lächeln. Sie nickt mir freundlich zu. Wann habe ich das letzte Mal in einer unserer Kirchen einem Fremden freundlich zugenickt? Ich danke ihr beim Hinausgehen, wünsche ihr auf Englisch ein schönes Lichterfest. Sie antwortet auf Burmesisch. Sie versteht meine Sprache nicht, ich nicht ihre. Egal, in diesem Augenblick sind wir verbunden. Der Abschied aus Bagan wird schwer, sehr schwer!.

Video-Tagebuch 24.10.2018

Tag 4 23.10.2018

Tag 4 - Klaus Seeger meldet sich aus Mandalay

Es ist wie daheim. Um 4 Uhr klingelt das Handy. Aufstehen! Hier in Mandalay steht allerdings keine Morgensendung an (wäre aber auch mal eine nette Herausforderung), sondern frühmorgens wartet unsere Fähre für die Fahrt auf dem Ayarwaddy nach Bagan. Über wackelige Holzplanken geht es an Bord. Im trüben Fluss nehmen die Menschen ihr Morgenbad, Frauen waschen die Wäsche, am Ufer lodern kleine Feuer, auf denen das Frühstück bereitet wird: Suppe! Mit die schönste Art ein Land erleben zu können, ist eine Fahrt auf einem Fluss. Der Ayarwaddy ist die Lebensader von Myanmar. Von Nord nach Süd schlängelt er sich durch das Land. Frisch ist es frühmorgens im Fahrtwind auf dem Vorderdeck. Eine ganz neue Erfahrung im tropischen Klima Südostasiens. Wir tuckern vorbei an im frühen Sonnenlicht goldglänzenden Pagoden und Tempeln. Hin und wieder spitzen Dörfer hinter Bäumen hervor. Auf Sandbänken im Fluss haben Fischer ihre Strohhütten aufgebaut. Mobile Heime, wenn das Wasser steigt, werden die Wände auseinandergenommen, aufs Boot verladen, abtransportiert und woanders aufgebaut. Der Ayerwaddy ist zumindest zwischen Mandalay und Bagan wenig befahren. Einige Frachtschiffe kommen uns entgegen, beladen mit Stahl, Holz und Kohle. Auf halber Strecke stoppen wir im kleinen Ort Letkapim. Kinder begrüßen uns am Ufer. Das  Dorf wirkt wie aus einer anderen Zeit. Strohhütten stehen dicht beieinander, Kühe und Schweine  langweilen sich dazwischen, Kinder spielen und die Erwachsenen gehen ihrem Tagwerk nach. Hektik scheint hier niemand zu kennen. Dorfleben in Myanmar! Die Herzlichkeit der Menschen begeistert mich auch hier. Freundliches Lächeln, einladende Gesten. Die Jungs vom Dorf fordern mich zum Holzhacken auf. Bei 30 Grad eine echte Herausforderung. Den spontanen Einsatz haben alle heil überstanden, bis auf die Machete. Die habe ich geliefert. Griff und Schneide trennten sich spontan. Morgen wird Lichterfest im Dorf gefeiert. Zwei Frauen erzählen mir von der großen Lichterprozession, die durch den Ort ziehen wird. Magisch stelle ich mir diesen Abend vor. Ein kleines Dorf an den Ufern des Ayerwaddy im Niemandsland zwischen Mandalay und Bagan in Myanmar gelegen, keine Straßenbeleuchtung in der Nacht…und dann die Lichterprozession. Kann Myanmar magischer sein? Wohl kaum! Wir verabschieden uns herzlich voneinander. Lebt wohl! Ich werde das Lichterfest in Bagan erleben und dabei an die Menschen von Letkapim denken.

 

Video-Tagebuch 23.10.2018
 

Tag 3 - 22.10.2018

Tag 3 - Klaus Seeger meldet sich aus Mandalay

Tempel und Pagoden soweit das Auge reicht. Der Blick von der Anhöhe Sagain über die weite Ebene ist überwältigend. Goldverzierte Pagoden und Tempel, es sind hunderte. Zum Nachzählen kommen wir nicht, viel zu sehr zieht uns dieser Anblick in seinen Bann. Die Luft auf den Hügeln von Sagain tut gut. Der Smog von Mandalay hatte sich am Vormittag in unseren Lungen festgesetzt. Hier oben über dem Ayarwaddy ist frischere Luft zumindest zu erahnen, soweit das bei schwülen 33 Grad möglich ist. Scharenweise kommen Pilger an diesen heiligen Ort. Vielleicht sind es auch einheimische Urlauber. In Myanmar werden Urlaubsreisen und Ausflüge immer mit dem Besuch eines Tempels oder einer Pagode verbunden. Geld spenden ist dabei Ehrensache. Als gläubiger Buddhist sammelt man dabei Pluspunkte für das nächste Leben. Das erklärt auch, weshalb in Myanmar die Großzügigkeit nahezu keine Grenzen kennt. Der Verdienst ist niedrig, ein Großteil der Menschen arbeitet in der Landwirtschaft. Oftmals reichen die Einnahmen kaum fürs Leben. Dennoch spenden die Menschen an Tempel oder für Mönche und Nonnen im Kloster. Verdienste für das nächste Leben sollen so gesammelt werden. Mit den Geldern werden auch viele soziale Einrichtungen unterstützt. Zudem geben auch arme Familien den Nachwuchs ins Kloster. Verpflegung und Bildung sind so gesichert. Wer gibt da nicht gern? Für uns mag diese Freigiebigkeit zunächst ungewöhnlich erscheinen. Die Menschen hier, die mir davon erzählen, erfüllt eine tiefe Zufriedenheit und Verbundenheit. Es tut ihnen ganz einfach gut! Ich genieße die Zeit in den Tempeln, beobachte die Menschen beim Gebet. Da mag das Gewusel um sie herum noch so groß sein, nichts könnte sie im Gespräch mit Buddha aus der Ruhe bringen. Junge Menschen sitzen neben alten. Wer reich ist, kniet neben dem Armen nieder. In diesem Augenblick sind sie alle gleich. Buddha dürfte für den Moment dürfte Buddha zufrieden sein. Ich bin einfach nur glücklich, für ein paar Minuten Teil dieser Gemeinschaft gewesen zu sein.

Video-Tagebuch 22.10.2018

Tag 2 - 21.10.2018

Mandalay ist unsere erste Station in Myanmar. Das hektische Rangun heben wir uns für das Finale auf. Mandalay ist längst Millionenstadt, doch vor allem am Abend wirkt es eher wie ein Dorf. Dann gehen die Lichter aus und die Bürgersteige werden hochgeklappt. Vom Großstadtleben ist dann nichts mehr zu spüren. Tagsüber sieht das anders aus. Die Öffnung der Grenzen und der wirtschaftliche Aufschwung haben die alten Rikschas verdrängt. Jetzt dominieren Mopeds und Autos. Entsprechend dick ist die Luft in der sengenden Hitze. Doch der alte Charme der ehemaligen Königsstadt blitzt immer noch durch. Zwar schießen immer mehr Glaspaläste in die Höhe, gebaut von chinesischen Geschäftsleuten, doch dazwischen duckt sich das alte Mandalay mit seinen kleinen Handwerksbetrieben und Geschäften. Die Veränderungen in der Stadt sind unübersehbar. Schon vor Jahren wurden am Fluss viele Menschen zwangsumgesiedelt für den Bau einer Schutzmauer. Gefackelt wird von den Behörden nicht lang. Wer nicht spurt, findet sich schneller im Gefängnis, als ihm lieb ist. Der Zauber Mandalays lässt sich vor allem bei Sonnenuntergang am Fluss erleben. Unser Hotel steht direkt am Ufer, am sogenannten Sunset Point. Boote werden ent- oder beladen, Passagierfähren legen an, die Bootsbesatzungen fachen am Ufer Feuer an, um Fisch zu grillen. In diesem Augenblick zeigt sich Mandalay versöhnlich. Doch der Spuk endet spätestens mit Sonnenaufgang. Die Herausforderung wird sein, die magischen Plätze der Stadt zu entdecken. Und das kann ich versprechen: es gibt sie! Mehr am Montag!

Tag 1 - 20.10.2018

Wir haben kein Wort miteinander gesprochen. Still saßen wir nebeneinander und genossen den Sonnenuntergang in der Tempelstadt Bagan. Das ist 13 Jahre her! Osi war damals ein kleiner Junge, er sprach kein Englisch, hatte aber ein gewinnendes Lächeln. Wir verstanden uns auch ohne Worte sofort. Es war damals meine erste Reise nach Myanmar. Das Land hatte sich nach Jahrzehnten der Abgeschlossenheit endlich auch westlichen Besuchern geöffnet. Diese Entscheidung war der Militärregierung nicht leicht gefallen. Doch ihnen blieb keine andere Wahl. Der internationale Druck war zu groß. Der kleine Osi kannte keine Scheu. Er war zwischen den hunderten Tempeln aufgewachsen. Bagan ist für uns Besucher ein Weltwunder, für Osi war es schlicht ein großer Spielplatz. Die neuen Gäste brachten Abwechslung und das ein oder andere Trinkgeld. Osi verkaufte Ansichtskarten, führte durch die Tempelebene und organsierte Fahrräder – meist ohne Bremse. Der kleine Osi machte es mir leicht, dieses über Jahrzehnte verschlossene Land lieben zu lernen. Vor allem aber seine Menschen. Das Land mit seinen tausenden goldenen Pagoden und Tempeln ließ mich seitdem nicht mehr los. Magisch zog es mich immer wieder an. Myanmar ist weit davon entfernt, Paradies zu sein. Die Herausforderungen für die neue Regierung sind riesig. Die vielen neuen Besucher im Land tragen nun aber die Geschichten der Menschen von Myanmar hinaus in die Welt. Ich bin gespannt, was sich seit meinem letzten Besuch verändert hat. Und vor allem freut es mich, der Radio 8-Reisegruppe eines der spannendsten Länder Asiens zeigen zu dürfen.